Papa, wie wird das Wasser wieder sauber?

Wie Bakterien helfen können, das Abwasser zu reinigen, erfährt Felix, der kleinste Fan der Donau Chemie, in dieser Ausgabe.
Von Alexander Jereb

„Papa, ich mag  den rosa Saft heute nicht nehmen.“
„Aber Schatz, das ist ja Medizin – die brauchst du, damit du schnell wieder gesund wirst! Der Saft vertreibt die bösen Bakterien aus deinem Ohr.“

„Bakterien? Was ist das?“
„Das sind kleine Lebewesen, die überall um uns und auch in uns leben.
Manche können Krankheiten auslösen, andere sind aber auch wichtig und nützlich.“

„Wähh. Lebewesen in meinem Körper? Igitt. Wozu sollen die nützlich sein?“
„Sie helfen uns zum Beispiel bei der Verdauung. Aber sie sind auch unverzichtbar bei der Reinigung unseres Abwassers!“

„Wie geht das denn?“
„Die Bakterien können bestimmte Stoffe im Abwasser aufnehmen oder umwandeln. Daher versucht man heute, in einer modernen Kläranlage ganz gezielt diese kleinen Helferlein zu vermehren.“

„Sind die so was wie Heinzelmännchen?“
„Ja, stimmt – so könnte man sie auch nennen.“

„Hat man das schon immer so gemacht?“
„Nein, das gibt es erst seit 100 Jahren – davor kannte man die Bakterien noch gar nicht! Die entdeckte man erst, als man im 17. Jahrhundert begann, Mikroskope zu bauen. Im 19. Jahrhundert wurden die Städte immer größer und die Flüsse wurden stinkende Kanäle. Als sie in Wien im Winter 1830 über die Ufer liefen, lösten sie eine Choleraepidemie aus, die 2.000 Menschen das Leben gekostet haben soll. Auch in anderen großen Städten war es ähnlich. In London kam es 1858
zu einer ähnlichen Katastrophe, die man ‚The Great Stink‘ – ‚Der große  Gestank‘ – nennt.


„Da muss es aber fürchterlich gestunken haben!“
„Ja, das kann  man annehmen. Während des ‚Great Stink‘ roch es in London so ekelhaft, dass die Abgeordneten im Parlament und auch die Gerichte aus London wegsiedeln wollten. Nun konnte Joseph Bazalgette endlich sein Konzept für die Modernisierung der Kanalisation Londons umsetzen. Davor wurde es schon fünf Mal als unnötige Geldverschwendung abgelehnt. Er vertrieb den Gestank, indem er das Abwasser in unterirdischen Kanälen aus der Stadt leitete. Auch Wien bekam nach  der Choleraepidemie eine neue Kanalisation. Überhaupt gab es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen Entwicklungsschub, der 1914 zur Erfindung des Belebtschlammverfahrens führte.“

„Was ist Belebtschlamm?“
„Das sind im Wesentlichen die kleinen Heinzelmännchen, die unser Abwasser auch heute noch sauber machen.“

„Papa! Das sind  ja gar keine Heinzelmännchen, das sind  Bakterien!
Wer hat denn den Belebtschlamm erfunden?“
„Wie man diese Bakterien nutzen kann, wurde auf der britischen Universität von Manchester erkannt. Dr. Gilbert Fowler, ein Chemiker dieser Universität, machte 1912 eine Reise in die USA. Dort
besuchte er unter anderem die Lawrence Forschungsstation in Massachusetts, wo gerade verschiedene Methoden der Abwasserbehandlung untersucht wurden. Zum Beispiel die Belüftung von Abwasser. Fowler hat das so beeindruckt, dass er seinen Kollegen Edward  Ardern  und William Lockett empfahl, die Versuche in England  zu wiederholen. Die beiden führten gleich darauf zahlreiche Versuche durch  –  zu Beginn in Glasflaschen, die man als belüftete Reaktoren nutzte.“

„Mit Abwasser? Igitt!“
„Na ja, das muss ich auch  öfter machen. Ist weniger schlimm, als man sich das vorstellt, und  vor allem  wichtig, wenn wir wollen, dass unsere Flüsse sauber bleiben. Ardern  und  Lockett haben, wie schon  die Kollegen in den USA, gesehen, dass sich bei der Belüftung Schlamm am Boden der Flaschen sammelt. Anders als die amerikanischen Forscher haben die beiden den Schlamm in den Flaschen gelassen, wenn sie das Abwasser gegen neues getauscht haben. Dabei konnten sie feststellen, dass die Zeit, die man zur vollständigen Oxidation des Abwassers benötigt, von einigen Wochen auf weniger als 24 Stunden verkürzen kann.“

„Oxi-was?“
„Oxidation. Das ist ein chemischer Vorgang, bei dem organische, biologisch abbaubare Stoffe zu Kohlendioxid und Wasser  und  schädliche Stickstoffverbindungen wie Ammonium zu Nitrat umgewandelt werden.“

„Klingt kompliziert.“
Belebtschlammverfahren auf der ganzen Welt. 1915 entstand die erste  Anlage in den USA, nämlich in Milwaukee, 1924 experimentierte Karl Imhoff in Deutschland, und  1926 ging die erste  Belebtschlammanlage in Essen in Betrieb.

„Aber wenn die Bakterien die ganze Arbeit machen, warum braucht man überhaupt die Produkte der Donau Chemie?“
„Man muss im Zuge des Verfahrens den Belebtschlamm vom gereinigten Wasser trennen, dazu braucht man eine gute Flockung. Hier helfen unsere Produkte. Außerdem gibt es andere Aufgaben,
wie die Phosphatfällung, für die unsere Produkte unbedingt erforderlich sind. Und dann gibt es noch Bakterien, die Probleme verursachen können und  die Reinigung stören. Auch hier können wir helfen.“

„Sind das dann die Kobolde unter den Bakterien?“
„Ja, so könnte man sie vielleicht nennen.“

„Dann habe ich wohl Kobolde in meinem Ohr!“

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