Papa, wie wird das Wasser wieder sauber?

Felix, der neugierigste Stakeholder der Donau Chemie, erfährt diesmal, wie man den Wasserbedarf der Großstädte deckt und was die Wasserqualität mit Krankheiten zu tun hat.
Von Alexander Jereb

„Papa?
„Ja, was ist, Felix?“

„Weißt du, was der Maxi mir heute erzählt hat?“
„Nein, was denn?“

„Er hat gesagt, das Wiener Wasser kommt aus der Steiermark! Stimmt das?“
„Ja das stimmt, zumindest teilweise. “

„Wie geht das denn?“
„Das ist schon sehr lange so. Vor mehr als 150 Jahren gab es in Wien keine gute Wasserversorgung. Die Brunnen in der Stadt waren verschmutzt, weil die Bewohner der Vorstädte ihre Abwässer in die Bäche leiteten. Man berechnete, dass der tägliche Bedarf an Wasser in Wien damals bei 1,4 bis 1,6 Millionen Kübel Wasser lag.

„Da kann man aber ganz schön viele Eimer schleppen!“
„Ja, das entsprach einem Wasserbedarf von 0,6 Kübeln, also ca. 34 Litern, pro Person – heute brauchen wir ca. 150 bis 200 Liter. Man hatte viele verschiedene Ideen, doch dann beschloss man, das Wasser aus dem Raxgebiet – das ist im südlichen Niederösterreich – nach Wien zu leiten, also 90 km ohne jede Pumpe – wie schon die alten Römer 2.000 Jahre früher für ihre großen Städte.“

„Ah ja, das hast du schon erzählt – über die Aquädings?“
„Ja, mit Hilfe von Aquädukten – das hast du dir gut gemerkt! Kaiser Franz Joseph ...“

„Der mit der Sissi?“
„Ja, genau der! Er eröffnete nach vier Jahren Bauzeit 1873 feierlich die 1. Wiener Hochquellenleitung, indem der Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz in Betrieb genommen wurde.“ „Ist das der bei eurer Firma?“ „Ja, die Donau-Chemie-Zentrale ist ganz in der Nähe.“ „Aber dann kommt das Wasser ja aus Niederösterreich?“ „Für die 1. Hochquellenleitung ja, aber keine 20 Jahre später war die Wasserversorgung für die wachsende Stadt abermals nicht ausreichend und man beschloss im Jahr 1900 den Bau der 2. Wiener Hochquellenleitung. Dafür leitete man das Wasser aus Quellen im steirischen Hochschwabgebiet über eine Entfernung von 180 km in die Hauptstadt. Bis zu 10.000 Arbeiter bauten 100 Aquädukte. 1910 durfte Kaiser Franz Joseph die 2. Wiener Hochquellenleitung eröffnen, indem er den ersten Schluck Wasser aus einem Kristallkelch trank.“

„Das war sicher sehr schön und hat ihn sehr gefreut!“
„Bestimmt! Heute deckt Wien den Großteil seines Wasserbedarfs mit reinstem Quellwasser aus den Alpen. Viele große Städte haben weniger Glück und müssen ihr Wasser aus Flüssen und Seen nehmen. Durch die rasch wachsende Bevölkerung im 19. Jahrhundert wurde das immer mehr zum Problem. Daher entwickelte man immer aufwändigere Methoden, dieses Wasser zu reinigen. Anfangs wurde es nur gefiltert. So wurde in Paris 1806 für das Seine-Wasser eine Anlage in Betrieb genommen, die aus einem Absetzbecken und einem Filtersystem aus Sand und Holzkohle bestand. Die Pumpen wurden mit Hilfe von Pferden angetrieben.“

„Die armen Pferde!“
„Die Tiere mussten in drei Schichten arbeiten. Auch in anderen Städten wurden vermehrt Filteranlagen gebaut; allerdings war diese Reinigung nur etwas fürs Auge – das Wasser sah zwar sauber aus, Krankheitserreger, wie zum Beispiel Bakterien, konnten damit aber nicht entfernt werden.“

„Aber konnte man das Wasser dann überhaupt trinken?“
„Aus heutiger Sicht wohl eher nicht. Krankheitsepidemien waren deshalb in den damals rasch wachsenden Städten häufig. Allerdings dachte man nicht, dass die Qualität des Wassers etwas mit dem Ausbruch von Krankheiten zu tun hatte. Erst John Snow erkannte, dass zwischen einem Brunnen in London und der Choleraepidemie von 1854 ein Zusammenhang bestand. Er konnte nachweisen, dass sich die Cholera vor allem rund um einen bestimmten Brunnen ausbreitete. Nachdem der Brunnen gesperrt wurde, war auch die Choleraepidemie rasch vorbei. Zudem konnte John Snow beweisen, dass der Wasserversorger das Wasser aus der Themse an einer Stelle entnahm, die mit Abwasser verunreinigt war. Später stellte man fest, dass der gesperrte Brunnen außerdem nahe an einer alten Senkgrube lag. Eine Mutter hat die Windeln ihres Babys über der Senkgrube gewaschen und das Baby war mit Cholera infiziert.“

„Das arme Baby. Wurde es wieder gesund?“
„Das weiß ich leider nicht. Vielleicht hatte es Glück, viele andere Kinder nicht. Immerhin führte Snows Entdeckung dazu, dass erstmals die Trinkwasserqualität kontrolliert wurde. Das war Vorbild für viele andere Städte der Welt. Doch erst Ende des 19. Jahrhunderts waren die Filteranlagen so weit entwickelt, dass auch Bakterien zumindest teilweise entfernt werden konnten. Außerdem begann man zum ersten Mal, mit Ozon und Chlorgas zur Desinfektion zu experimentieren. Hamburg 1893 und Maidstone in England 1897 waren die ersten, die ihr Trinkwasser vollständig mit Chlor desinfizierten. Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich die Chlorierung schließlich endgültig durchgesetzt und wird bis heute praktiziert.“

„Und das Chlorgas kommt dazu von der Donau Chemie.“
„Richtig, ein Teil davon jedenfalls.“

„Was war mit den Kläranlagen?“
„Das erzähl ich dir das nächste Mal, jetzt ist es Zeit fürs Bett.“

„Papa?“
„Ja, mein Schatz?“

„Ich hab Durst!“
„Hier, trink ein Glas Wasser.“

„Danke, ist das aus der Steiermark?“
„Bestimmt – aber jetzt gute Nacht!“
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